Wenn deine eigenen Eigenschaften dein Wachstum einschränken

Viele Fachkräfte geraten in eine Sackgasse, obwohl ihr Wissen, ihre Erfahrung oder ihre Fähigkeiten eigentlich ausreichen würden, um voranzukommen. Das scheint widersprüchlich. Doch die Ursache für Stagnation liegt oft nicht in den tatsächlichen Fähigkeiten, sondern in der Art und Weise, wie die Betroffenen sich selbst, ihre Arbeit und ihre Möglichkeiten betrachten.

In Trainings erlebe ich regelmäßig Menschen, die inhaltlich stark sind, Verantwortung übernehmen und hart arbeiten, gleichzeitig aber Schwierigkeiten haben, Entscheidungen zu treffen, Grenzen zu setzen, sich sichtbar zu machen oder neue Schritte zu wagen. Oft wissen sie genau, was sie tun wollen, doch die Umsetzung lässt zu wünschen übrig. Genau diese Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln stellt eine interessante Herausforderung in der Persönlichkeitsentwicklung dar.      

Warum führt Erkenntnis nicht automatisch zu Veränderung?

Einsicht wird erst dann wirksam, wenn sich Überzeugungen und Verhalten entsprechend verändern. Psychologen beschreiben Überzeugungen als mentale Modelle, mit denen wir der Welt Bedeutung verleihen. Sie entstehen oft früh im Leben und werden durch Erfahrungen, Erziehung, Bildung und das Arbeitsumfeld bestärkt. Sie helfen uns, Situationen schnell einzuschätzen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig können sie unsere Entwicklung lenken, wenn sie zu unveränderlichen Wahrheiten werden, die wir kaum noch hinterfragen.

Ein Profi mag beispielsweise Fehler als gleichbedeutend mit Scheitern betrachten. Ein anderer ist vielleicht überzeugt, dass ein neuer Schritt nur möglich ist, wenn alles perfekt vorbereitet ist. Wieder ein anderer hat gelernt, dass Anerkennung vor allem durch harte Arbeit und die Übernahme großer Verantwortung entsteht.

Weil uns diese Überzeugungen vertraut erscheinen, nehmen wir sie leicht als Tatsachen wahr. Dadurch bleibt das zugrunde liegende Muster oft lange Zeit unentdeckt.

Wie entstehen Muster, die die Entwicklung behindern?

Muster entstehen, weil sich Verhaltensweisen wiederholen, die zuvor zum Erfolg geführt haben, selbst wenn eine neue Situation ein anderes Verhalten erfordert.

Genau die Eigenschaften, die jemanden erfolgreich gemacht haben, können in einer späteren Phase an Wirksamkeit verlieren. Ein Mitarbeiter, der dank seiner Genauigkeit Karriere gemacht hat, kann Schwierigkeiten beim Delegieren haben, sobald er eine Führungsrolle übernimmt. Ein hilfsbereiter Profi kann sich strukturell überlasten, weil es ihm schwerfällt, Nein zu sagen.

Die zugrunde liegende Überzeugung bleibt oft im Verborgenen. Die Menschen erleben vor allem die Folgen: Frustration, Arbeitsdruck, Unsicherheit oder das Gefühl, immer wieder in ähnlichen Situationen zu landen.

Die Forschung in der Verhaltenspsychologie zeigt, dass Menschen Verhaltensweisen, die bereits erfolgreich waren, auch bei veränderten Umständen leicht wiederholen. Vertraute Strategien erfordern zudem weniger mentale Anstrengung und fühlen sich daher natürlich an.

Warum sind gute Fachleute oft besonders anfällig für diese Falle?

Hat jemand umfangreiches Wissen und viel Erfahrung gesammelt, verlassen sich Kollegen, Kunden und Vorgesetzte zunehmend auf seine Stärken. Diese Anerkennung stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, während zugrundeliegende Muster weniger Beachtung finden.

Viele Fachkräfte erhalten Anerkennung für ihre Leistungen, doch der Preis für diesen Erfolg bleibt im Verborgenen. Sie liefern Ergebnisse, lösen Probleme und übernehmen Verantwortung. Gleichzeitig erleben sie erhöhten Druck, verlieren ihre Energie oder schieben wichtige Entscheidungen auf. Von außen ist der Erfolg sichtbar; innerlich spürt jedoch jemand, dass etwas nicht stimmt.

Genau deshalb erfordert die Entwicklung von Hochleistungskräften, dass man die Muster hinter ihrem Erfolg analysiert. Schließlich führt ihr gewohnter Ansatz immer noch zu Ergebnissen und erscheint daher als logischer Weg.

Was geschieht, wenn Überzeugungen unbewusst bleiben?

Unbewusste Überzeugungen bestimmen mit, wie viel vom Potenzial einer Person sich in ihrem Verhalten zeigt. Jemand kann alle notwendigen Eigenschaften für seine Entwicklung besitzen, während alte Annahmen sein Verhalten weiterhin prägen. Dies sieht man beispielsweise bei Fachkräften, die ständig Weiterbildungen absolvieren, obwohl ihr Wissen bereits mehr als ausreichend ist. Die Entwicklungsfrage hängt dann oft von Vertrauen, Sichtbarkeit oder dem nötigen Freiraum ab, sich zu zeigen.

Forschungen zur Selbstwirksamkeit zeigen, dass die Erwartungen, die Menschen an ihre eigenen Fähigkeiten haben, einen maßgeblichen Einfluss auf ihr Verhalten, ihre Ausdauer und ihre Leistung ausüben. Menschen handeln oft innerhalb der Grenzen dessen, was sie für möglich halten. Diese Grenzen werden jedoch keineswegs immer durch ihre tatsächlichen Fähigkeiten bestimmt.

Auf diese Weise kann ein Profi Zugang zu allen Qualitäten und Möglichkeiten haben, sich weiterzuentwickeln, während sein Selbstbild noch hinter dem zurückbleibt, wozu er tatsächlich fähig ist.

Woran erkennt man, dass man sich selbst im Weg steht?

Wiederholungen sind ein wichtiges Signal dafür, dass ein zugrundeliegendes Muster Ihre Entwicklung beeinflusst. Wenn dieselben Frustrationen, Konflikte oder Dilemmata immer wieder auftreten, ist es hilfreich, über die unmittelbare Situation hinauszublicken.

Auch Verhalten, das sich produktiv anfühlt, kann in dieser Hinsicht ein Hinweis sein. Jemand, dem es beispielsweise schwerfällt loszulassen, neigt dazu, häufiger zu kontrollieren. Jemand, der sich seiner Position unsicher ist, versucht besonders hart, sich zu beweisen. Jemand, der Fehler unbedingt vermeiden will, bereitet sich immer gründlicher vor. Dieses Verhalten führt zwar zu Ergebnissen, fördert aber kaum die persönliche Entwicklung.

Stellen Sie sich daher folgende Fragen:

  • In welchen Situationen bleibe ich immer wieder stecken?
  • Welche Entscheidungen habe ich schon lange aufgeschoben?
  • Wo spüre ich Anspannung, während andere leichter damit umgehen können?
  • Welche Überzeugungen über Erfolg, Fehler oder Verantwortung bestimmen mein Verhalten?
  • Welchen Rat würde ich jemandem geben, der sich in genau derselben Situation befindet?

Diese Fragen lenken den Fokus von den Umständen auf die Muster. Genau dort entsteht Raum für Bewusstsein und eine andere Entscheidung.

Möchten Sie herausfinden, welche Glaubenssätze Ihr Wachstum einschränken?

Wahres Wachstum beginnt oft damit, Überzeugungen und Verhaltensmuster zu erkennen, die unsere Entscheidungen und unsere Entwicklung beeinflussen. Sobald diese sichtbar werden, entsteht Raum für bewusstere Entscheidungen, effektiveres Verhalten und eine stärkere persönliche Weiterentwicklung.

Möchten Sie herausfinden, welche Verhaltensmuster in Ihrem Team, Ihrer Organisation oder Ihrer Führungsebene Ihre Entwicklung behindern? Thea van Grinsven unterstützt Fach- und Führungskräfte dabei, mehr Einblick in ihr Verhalten, ihre Überzeugungen und ihre persönliche Effektivität zu gewinnen. Kontaktieren Sie sie gerne für ein unverbindliches Gespräch über Trainings- und Coachingprogramme.

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