Können Sie sich ein Unternehmen vorstellen, in dem niemand das Sagen hat? Wo Mitarbeiter selbst entscheiden, wo und wann sie arbeiten. Hier können Sie Ihr Gehalt selbst bestimmen. Klingt bizarr, oder? Und doch existiert es. Ricardo Semler, der brasilianische Eigentümer der Firma Semco, hat eine ganz besondere Sicht auf Führung und Unternehmenskultur. Sein Unternehmen ist für seine einzigartige und radikale Form der Unternehmensdemokratie bekannt. Was können wir aus Semlers revolutionärem Ansatz lernen?
Lernbereite und motivierte Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg
Ein Leben, das nicht von Ihrer Arbeit dominiert wird? Möchten Sie in einem Unternehmen arbeiten, das alles, sogar das Gehalt, an Ihre Vorlieben anpasst? Würde dich das motivieren? Ricardo Semler schwört darauf. Er lässt seine Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten, wenn sie möchten, oder in lokalen Niederlassungen der Organisation, wenn diese näher am Wohnort liegen, um seine Mitarbeiter zu motivieren. Semler weist darauf hin, dass Menschen arbeiten sollten, weil es ihnen Spaß macht und weil sie sich dabei gut fühlen. Diese Ansicht wird von einem anderen weltbekannten Führer, Richard Branson, geteilt. Er sagt: „Ich habe immer geglaubt, dass die Art und Weise, wie Sie Ihre Mitarbeiter behandeln, auch die Art und Weise ist, wie sie Ihre Kunden behandeln werden.“ Mit anderen Worten: Wenn Sie Ihre Mitarbeiter motivieren, motivieren sie auch Ihre Kunden. Mitarbeiter, die sich in Ihrem Unternehmen wohlfühlen, sind somit indirekt der Schlüssel zum Erfolg Ihrer Organisation.
Demokratie auf allen Ebenen Ihrer Organisation
In Semlers Unternehmen wird Demokratie in extremer Form umgesetzt. Er arbeitet beispielsweise mit Gremien ohne Führungskräfte mit Vertretern aller Unternehmensbereiche. Diese Gremien bestimmen alle Aspekte der Produktion und des Vertriebs. In seiner Vision wird kein CEO benötigt. Die Organisation ist äußerst flach. Es gibt nicht einmal ein Organigramm. Obwohl Semco ein extremes Beispiel sein mag, lässt sich dieses Muster auch in anderen Märkten beobachten. Gerade Marketing- und Internetagenturen arbeiten oft mit Kundenteams, in denen alle Spezialisten gleichberechtigt sind. Es gibt also keine klare hierarchische Struktur mehr. Jeder arbeitet mit jedem zusammen und hat sein/ihr eigenes Spezialgebiet, das in der Produktion entscheidend ist.
Eine weitere bemerkenswerte und interessante Lehre aus Semlers Ansatz ist die Art und Weise, wie Manager ernannt werden. Obwohl es keine wirkliche Hierarchie gibt, gibt es in seinen Unternehmen Führungskräfte. Diese Führungskräfte sind bereichsübergreifend bzw. auf strategischer Ebene tätig. Sie sind anderen Mitarbeitern jedoch nicht überlegen. Die Führungskräfte bei Semco werden von den Mitarbeitern selbst ernannt. Sie wählen die Leiter ihrer eigenen Abteilung aus und wählen sie. Es gibt also keinen Platz für den Typ, der versucht, sich durch politische Verwicklungen nach oben zu arbeiten. Alles ist völlig transparent und demokratisch. Mitarbeiter werden sich daher nicht so leicht über das Management beschweren, da sie selbst darüber entscheiden.
Eine flexible Vergütung führt zu geringeren Kosten oder höheren Erlösen
Eine weitere Besonderheit von Semlers einzigartigem Ansatz ist die Belohnungsstruktur. Der Arbeitnehmer bestimmt sein Gehalt selbst. Auch hier wird die Verantwortung der Erwachsenen ausdrücklich gefordert. Natürlich kann dieses Modell nur funktionieren, wenn die Gehälter auch intern völlig transparent und damit selbstkorrigierend sind. Auch die Gehälter sind variabel, wobei ein zusätzlicher Anteil durch Gewinn erwirtschaftet werden kann. Darüber hinaus verfügt die Organisation über keine statusabhängigen Privilegien. Keine privaten Parkplätze, Arbeitsplätze oder Sekretäre.
Das Interessante daran ist, dass eine solche Vergütungsstruktur zu geringeren Einkommensunterschieden zwischen den Mitarbeitern und geringeren Kosten für das Unternehmen führen kann. Menschen verhalten sich oft selbstbewusster und verantwortungsvoller, wenn sie wählen dürfen, als wenn sie nach traditionellen Modellen entlohnt werden. Die Tatsache, dass alle Belohnungen transparent sind, sorgt für eine Nivellierung.
Dieses Modell wird häufiger in der Welt der Workshops, Referenten und Trainer eingesetzt. Immer mehr Redner verlangen von ihren Kunden kein festes Honorar, sondern werden ergebnisorientiert bezahlt. Sie fragen ihre Kunden, was ihrer Meinung nach die Sitzung wert war, und stellen dann diesen Betrag anstelle einer festen Gebühr in Rechnung. Dies verhindert zwar die bekannten Preisdiskussionen, führt in der Realität jedoch häufig zu höheren Belohnungen als dem sonst zu zahlenden Festpreis.
Lass dich inspirieren
Der Ansatz von Führungskräften wie Semler ist radikal und revolutionär. Niemand erwartet von Ihnen als Manager oder Direktor, dass Sie seine Methoden übernehmen. Dennoch lassen sich daraus wertvolle Erkenntnisse gewinnen, die wir in unserer eigenen Praxis anwenden können. Lassen Sie sich daher motivieren und inspirieren, damit auch Ihr Team den Schlüssel zum Erfolg findet. Weitere Inspiration bietet Semlers TEDx-Vortrag.